NRW-Wahl 2012: Das Ergebnis

Veröffentlicht: 14. Mai 2012 in deutschland
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Seit gestern wird ja viel erzählt und geschrieben, analysiert und prophezeit. Ich habe aus Zeitgründen leider nicht alles mitgekriegt, möchte an dieser Stelle trotzdem auch meinen Senf dazugeben. Anders als diverse Journalisten kann ich den Wählern hier nicht in den Kopf schauen und mit Gewissheit sagen, warum diese so und nicht anders gestimmt haben. Ich äußere hier lediglich ein paar Vermutungen.

Aus der Minderheitenregierung kann jetzt also eine mehrheitsfähige Regierung werden unter der Führung von Hannelore Kraft. FDP, SPD und die Piraten haben 2012 mehr Zweitstimmen erhalten als 2010, die anderen Parteien machten Verluste. Die Wahlbeteiligung lag bei 59,6 Prozent, was eine minimalste Steigerung um 0,3 Prozent gegenüber 2010 darstellt. Hier geht’s zu den Ergebnissen und hier zur neuen Sitzverteilung. Meine Zahlen oben sind vom Stand 14.05.12, 19.15 Uhr. Soviel zu den Fakten, nun zu meinen persönlichen Vermutungen, natürlich unter dem Vorbehalt, dass ich mich irre:

Der Sieg der FDP ist der Person Christian Lindners geschuldet. Vor ein paar Wochen, als die Neuwahlen angesetzt wurden, hätte wohl kaum jemand geglaubt, dass die FDP sich im Landtag würde halten können, aber dann kam er. Ich persönlich habe ihm damals den Rückzieher aus der Bundes-FDP übel genommen. Vor seinem Abgang war er als Generalsekretär mitverantwortlich für den Abstieg seiner Partei. Und dann entzieht er sich der Verantwortung durch Flucht. Aber nun gut. Ich gehe davon aus, dass ihm sein Charisma geholfen hat, dass die Leute ihn für glaubwürdig halten. Und er scheint sich wirklich auf NRW einlassen zu wollen, sprich: Er will hier arbeiten und sich engagieren, statt mit einem Auge nach Berlin zu schielen.

Genau das war meiner Meinung nach Röttgens Problem. Schon 2010 war er hin- und hergerissen zwischen einem Posten in Merkels Kabinett und dem CDU-Landesvorsitz. Zumindest bei mir kam er dieses Mal so an, als ob er gar nicht wirklich hier sein wollte, sondern in Berlin. Und in dem Fall frage ich mich ehrlich, warum ihn hier irgendjemand wählen sollte. Was bringt mir denn ein Ministerpräsident, für den sein Bundesland nur sekundäre Priorität hat? Ich könnte mir vorstellen, dass andere Wähler das ähnlich empfanden.

In den letzten Landtagswahlen sind die Piraten kontinuierlich reingewählt worden, also war es nicht wirklich überraschend, dass es hier ebenso war. Nun bleibt abzuwarten, wie die aktive Oppositionsarbeit aussehen wird.

Über das schlechte Abschneiden der Linke kann ich keine Vermutungen anstellen.

Zum Schluss noch eine Nachricht an alle Nicht-NRWler: Ja, Hannelore Kraft hat hier eine Wahl gewonnen. Das heißt nicht, dass sie jetzt unbedingt Kanzlerin werden muss. Die Menschen in NRW haben sie für NRW gewählt, nicht für Berlin. Das heißt, eine bestimmte Anzahl von Menschen hier möchte sie gerne für die nächsten Jahre behalten. Also bitte keine weiteren Spekulierungen und Abwerbungsversuche.

Okay, Ämter noch vor Ablauf der Legislaturperiode hinzuschmeißen ist ja derzeit der heiße neue Trend in der Politik. Da wäre es doch mal erfrischend anders, wenn jemand eine volle Amtszeit durchhalten würde. Also wie wäre es damit: 2017 finden sowohl die nächste NRW-Landtagswahl als auch die übernächste Bundestagswahl statt*. Dann kann sie ja immer noch fürs Kanzleramt kandidieren. Wenn sie das möchte.

Vorausgesetzt, dass es nicht wieder zu unerwarteten Landtags- oder Bundestagsauflösungen kommt.

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